IG zur Weiterführung der Primarschule im Wädenswiler Berg

Volksinitiative "Primarschule in allen Ortsteilen der Gemeinde Wädenswil"

Argumentarium


Erhalt der Primarschule vom Kindergarten bis zur 6. Klasse im Wädenswiler Berg


In Kürze

Die Mittelstufe in der Langrüti soll auf Sommer 2021 wegen zu tiefer Schülerzahlen geschlossen werden. Dieses Hauptargument für die Schliessung wird durch objektive Parameter in Frage gestellt und die entsprechenden Zahlen dazu werden unter dem Tisch gehalten. Weiter basiert der Entscheid der Schulschliessung auf keine Analyse der effektiven Kosten bzw. des langfristigen Einsparung­spotentials und ist somit nicht nachvollziehbar sondern unverständlich.

Hintergrund

Am Mittwoch 17.02.2021 wurden Eltern und Erziehungsberechtigten über die Auflösung der 4.-6. Klasse und somit Schliessung der Schule Langrüti im Wädenswiler Berg auf Ende des Schuljahres 2020/2021 informiert und vor vollendete Tatsachen gestellt. Gerade mal einen Tag vorher hat die Schulleitung Berg davon erfahren. Vor 13 Jahren stand bereits einmal eine Schulschliessung zur Debatte, welche aber nach Abwägung aller Faktoren sich als nicht-zielführend herausstellte.

Nach dieser Ankündigung hat sich Widerstand formiert. Unter anderem wurde die IG zur Weiterführung der Primarschule im Wädenswiler Berg (im Folgenden IG genannt) gegründet. Unterstützt wird diese von den Vorständen der beiden Quartiervereine Langrüti und Stocken.

Als Reaktion auf einen Brief an die Stadt und Primarschule (an die Präsidentin der Primarschulpflege Alexia Bischof, gezeichnet von den beiden Quartiervereinspräsidenten), fand am 04.03.2021 im Stadt­haus ein Gespräch mit eben genannter Schulvertreterin, Stadtpräsident Philipp Kutter, dem Vorstand des Quartier­vereins Langrüti, und den Präsidenten des Quartiervereins Stocken und der IG statt.

Die Stadt führt seit letztem Jahr in verschiedenen Bereichen Leistungsprüfungen durch, welche noch nicht abgeschlossen sind. Im Zuge dessen wurde die Primarschule Wädenswil auf die Situation der Schule Langrüti hingewiesen. Nach Rückweisung des städtischen Budgets wurde kurzerhand der Entscheid gefällt, die Schule Langrüti zu schliessen. Die Schülerzahl der 4.-6. Klasse Langrüti liegt aktuell bei 16 Schülern und umfasst Kinder des gesamten Gebietes Stocken-Langrüti. Anfang 2020 besuchten noch 19 Kinder die Mittelstufe Langrüti, drei Familien mit fünf Kindern in der Mittelstufe zogen weg. In der Stocken gibt es aktuell eine 1-3. Klasse sowie einen Kindergarten. Diese werden auch von den Kindern des Gebietes Langrüti besucht (da keine Unterstufe/ Kindergarten in der Langrüti). Gemäss dem obengenannten Gespräch hätte die Primar­schule Wädenswil bis im Sommer 2022 Zeit gehabt, eine Lösung für die Langrüti zu finden. Mit der Begründung, dass der Lehrer per Sommer 2021 pensioniert werde, ziehe man diesen Entscheid in Form der Schul­schliessung nun vor.

Beleuchtung der Schlüsselpunkte

Schülerzahlen

Die aktuelle Schülerzahl ist mit 16 Kindern tief - Tatsache. Der Wegzug dieser drei Familien ist spürbar. Wegen eines solchen Zufalls dürfen keine Entscheide mit derart langfristigen oder gar endgültigen Konsequenzen gefällt werden. Wenn Klassen in gewissen Jahren zu klein sind, gibt es verschiedene einfache Mittel, dies auszugleichen. Gleichzeitig ist die Schülerzahl nicht sehr weit von der Richtzahl von Mehrklassen weg, die bei 21 Kindern liegt.

Eine Studie des Beratungsunternehmen «Basler & Hofmann» hat die Schülerzahlen und deren Entwicklungen in Wädenswil untersucht. Die Schule will diese Studie oder zumindest die für den Berg relevanten Zahlen nicht zugänglich machen. Zitat Alexia Bischof: «Die Zahlen werden nicht substanziell steigen». Das müssen sie auch nicht: Zwei Kinder pro Jahrgang und man ist schon bei Vollbelegung. Warum wird uns diese Studie vorenthalten? Zeigen die Zahlen, dass der Tiefpunkt gerade erreicht ist und die Schüler­zahlen in den nächsten Jahren genügend steigen werden, damit auch im Berg eine genügend grosse Klasse erreicht würde? Was wir mit Sicherheit wissen, ist die Zahl der neue Erstklässler in der Stocken 2021: neun Kinder! Man rechne und bemerke, diese Tendenz nennt man steigend. Zudem sind schier in jedem zweiten Haus im Berg kleine Kinder anzutreffen.

Folgende Faktoren spielen in der Bewertung der Schülerzahlen eine Rolle:

  • Neuzuzüger im Berg sind in der Regel Familien mit Kindern, was schnell Auswirkungen auf die Klassengrössen hat.
  • Die auf Stadtgebiet gängige Praxis zur Verschiebung von Grenzen, um genügende Schüler­zahlen zu erreichen, soll auch für den Wädenswiler Berg gelten. Verschiebung der Grenze unter die Autobahn oder Richtung Schöneneberg bringt keine grösseren Distanzen, als sie im Stadt­gebiet bereits auftreten.
  • Wunsch von Eltern, ihre Kinder in einer Mehrklassenschule unterrichten zu lassen, da sie eine Schulform von grosser Aktualität ist und mehr pädagogische Möglichkeiten bietet (alters-durchmischtes Lernen, erhöhte soziale Kompetenz).
  • Um das Problem der zu tiefen Schülerzahlen anzugehen, könnte die Bevölkerung in Zukunft aktiv zur Mehrklassenschule im Berg informiert werden, bevor endgültige Einschulungs­entscheide gefällt werden.

Finanzen

Wie hoch sind genau die Einsparungen? Leider konnte uns diese Frage am Gespräch mit den Behörden­­vertretern nicht beantwortet werden. Mehr noch: es gäbe keine Schätzung, was gespart werde, aber man brauche ja diese Räumlichkeiten und die Lehrerstelle nicht mehr.

Es gibt drei zentrale Ausgabenposten für die Langrüti: Löhne, Raummiete, Transportkosten

  • Löhne: Wie viele Vollzeiteinheiten werden durch diese Schliessung effektiv eingespart für Wädenswil? Das Volksschulamt belohnt Schulgemeinden mit sogenannten Aussenwachten. Wäre es aus diesem Gesichtspunkt heraus nicht sogar opportuner, man behält möglichst viele Aussenwachten und baut im Berg auf 4 Klassen aus?
  • Die Raummiete kann zum gleichen Betrag eingespart werden, wenn die Mittelstufe in dem Stocken unterrichtet wird, es sei denn, man nehme dort eine Wohnung dazu. Für welche Räume bezahlt die Schulgemeinde wieviel Miete? Für den schuleigenen Pavillon? Wie hoch ist die Miete tatsächlich? Und kann sie die Stadt kompensieren? Wird sie für diese Räume Mieter finden? Hier sei angemerkt, dass das Quartier wesentlich an Attraktivität für potenzielle Mieter verliert, wenn es im Berg keine vollständige Primarschule mehr gibt. (Siehe auch unten)
  • Die Transportkosten werden mit einer Schliessung der Langrüti mit Bestimmtheit höher als aktuell ausfallen und allenfalls die Einsparungen bei der Miete gänzlich auffressen. Vier Schüler vom Dorf in die Langrüti oder Stocken zu fahren, ist ökonomisch und ökologischer, als 14 Kinder ins Dorf oder in den Schönenberg zu fahren. Gemäss einigen Stimmen ist jedoch angedacht, dass die Schüler mit dem ÖV den neuen, deutlich längeren Schulweg zurücklegen sollen. www.zvv.ch zeigt, dass dies bei den heutigen ÖV-Verbindungen für ein Mittelstufenkind eine Zumutung wäre.

Finanziell von Belang sind auch die beträchtlichen Kosten, die aktuell durch die integrative Schulform im Berg für mehrere Kinder gegenüber Platzierungen in Spezialschulen eingespart werden können. (Siehe dazu auch nächster Abschnitt)


Vorteile Erhalt Mittelstufe Langrüti

Neben den obigen Schlüsselpunkte gibt es eine ganze Reihe weiterer Argumente, die gegen eine Schulschliessung der Mittelstufe im Berg sprechen. Die wichtigsten sind:

  • Gute Schulinfrastruktur, bei deren Nutzung keine Provisorien an anderen Standorten nötig sind. Dass die Primarschule Schulraum benötigt, zeigt sich auch am Bespiel, dass aus der Liegen­schaft an der Schönenberstrasse 3 ein gemeinnütziger Verein ausziehen musste, da die dort beherbergte Kleingruppenschule Platz benötigte. Warum also im Dorf Schulraum akquirieren, der vermutlich teurer ist als im Berg, wenn in der Langrüti gut eingerichtete Infrastruktur besteht?
  • Kleine Schuleinheiten sind innerhalb der grossen Schulgemeinde wertvoll für die Schulung von Kindern, die in städtischen Schulhäusern nicht zurechtkommen. So werden seit vielen Jahren immer wieder verhaltensauffällige Schüler vom Dorf in der Langrüti unter­richtet, und mussten so nicht in teure Spezialstrukturen gegeben werden.
  • Überdurchschnittlich motiviertes Lehrerkollegium für Mehrklassenschulen: Das Argument, es lohne sich nicht, eine Lehrperson für ein Jahr anzustellen, wenn man nicht wisse, was danach mit der Schule geschehe, ist für uns unverständlich. In der Privatwirtschaft sind befristetet Verträge an der Tagesordnung.

Fazit

Das Hauptargument zur Schulschliessung, die zu tiefen Schülerzahlen, scheint nur im Moment gültig zu sein, denn objektive Faktoren deuten eine steigende Tendenz der Kinderanzahl im Berg an und die entsprechenden Zahlen dazu werden unter dem Tisch gehalten.

Eine Schulschliessung ohne Analyse der effektiven Kosten bzw. des langfristigen Einsparungspotentials ist nicht nachvollziehbar und unverständlich.